Alle Artikel

Ratgeber4. Sept. 20266 Min Lesezeit

TYPO3-Agentur auswählen: Worauf Unternehmen und öffentliche Auftraggeber achten müssen

TYPO3-Agentur finden: Welche Nachweise zählen, was v12, v13 und v14 für die Auswahl bedeuten, wie Wartung und Barrierefreiheit geregelt gehören.

Porträt von Sabine Meeringer, Autorin auf beste-typo3-agentur.deSabine Meeringer· Autor
Auswahlgremium vergleicht Agenturangebote für ein TYPO3-Projekt anhand ausgedruckter Unterlagen

TYPO3 wird selten für kleine Websites eingesetzt. Wer dieses System wählt, hat meistens einen der folgenden Gründe: viele Redakteure mit unterschiedlichen Rechten, mehrere Sprachen oder Standorte, eine Anbindung an vorhandene Fachsysteme, oder Vorgaben aus einer Vergabestelle. In allen vier Fällen ist die Auswahl der Agentur eine andere Aufgabe als bei einer Firmenwebsite mit acht Seiten.

Der Unterschied: Du wählst keinen Dienstleister für ein Projekt, sondern einen Partner für die nächsten fünf bis zehn Jahre. TYPO3-Installationen leben lang, und ein Wechsel ist aufwendig. Entsprechend ändern sich die Kriterien.

Der Versionsstand ist das erste Auswahlkriterium

TYPO3 erscheint in Langzeitversionen mit festen Supportzeiträumen. Der aktuelle Stand laut Roadmap und ELTS-Übersicht:

VersionVeröffentlichtCommunity-Support bisVerlängerter Support (ELTS) bis
TYPO3 14 LTSApril 20262029vier Jahre darüber hinaus
TYPO3 13 LTSOktober 20242027vier Jahre darüber hinaus
TYPO3 12.4April 2023ausgelaufen am 30.04.202630.04.2030
TYPO3 11.5Oktober 2021ausgelaufen am 31.10.202431.10.2028

TYPO3 veröffentlicht seit einiger Zeit alle 18 Monate eine neue Langzeitversion, der Community-Support läuft jeweils rund drei Jahre. Die taggenauen Enddaten für v13 und v14 stehen in der Roadmap auf typo3.org – prüf sie, bevor du sie in einen Vertrag schreibst.

Das ist kein Nebenaspekt, sondern der Rahmen deiner Entscheidung. Wer im Herbst 2026 ein neues Projekt startet, baut auf v14 – alles andere bedeutet, mit einer geplanten Migration in den Vertrag zu gehen. Wer eine bestehende v12-Installation betreibt, hat drei Optionen: Upgrade auf v13, Upgrade auf v14, oder ELTS-Vertrag als Übergang. Ohne eine dieser Optionen bleibt jede neu gefundene Sicherheitslücke offen.

Frag jede Agentur konkret: Mit welcher Version würdet ihr bauen, und warum diese? Eine Antwort, die v13 empfiehlt, kann richtig sein – wenn sie mit vorhandenen Erweiterungen begründet wird. Eine Antwort, die die Frage nicht versteht, disqualifiziert.

Nachweise, die tatsächlich etwas bedeuten

TYPO3 hat eine formalisierte Zertifizierungslandschaft, was in der Branche selten ist. Relevant sind vor allem:

Zertifizierte Integratoren und Entwickler. Die offiziellen TYPO3-Zertifizierungen gelten für Einzelpersonen, nicht für Firmen. Lass dir sagen, wie viele zertifizierte Personen im Team sind – und ob eine davon an deinem Projekt arbeitet. Für Integratoren und Entwickler führt TYPO3 öffentliche Listen der Zertifizierten, in denen sich Angaben nachprüfen lassen.

Mitgliedschaft in der TYPO3 Association. Silber- oder Gold-Mitgliedschaft ist zunächst eine Zahlungsbereitschaft, kein Qualitätsnachweis. Sie zeigt aber, dass die Agentur langfristig auf das System setzt.

Eigene Erweiterungen im TYPO3-Repository. Wer Erweiterungen veröffentlicht und pflegt, arbeitet nachweislich im Systemkern und nicht nur an Oberflächen. Das lässt sich in fünf Minuten selbst prüfen.

Referenzen mit vergleichbarer Struktur. Nicht "haben wir schon gemacht", sondern: Wie viele Redakteure, wie viele Sprachen, welche Schnittstellen, wie viele Seiten. Eine Agentur, die zehn Universitätsauftritte gebaut hat, kennt deine Probleme bereits.

Die Fragen zur Redaktion

TYPO3 wird von Menschen bedient, die es nicht ausgesucht haben. Das ist der Punkt, an dem Projekte im Alltag scheitern – nicht an der Technik.

Lass dir das Redaktionssystem im Live-Betrieb zeigen, an einem echten Kundenprojekt, nicht an einer Demo. Achte darauf:

  • Wie viele Klicks braucht es, um eine Pressemitteilung anzulegen?
  • Was sieht ein Redakteur, der nur eine Abteilungsseite pflegen darf?
  • Wie funktioniert die Freigabe, wenn ein Vier-Augen-Prinzip vorgeschrieben ist?
  • Wie werden Inhalte in die zweite Sprache übersetzt – kopiert, verknüpft, über einen Dienstleister?

Frag außerdem nach dem Schulungskonzept. Zwei Stunden Einweisung für zwölf Redakteure reichen nicht. Üblich und sinnvoll: eine Grundschulung nach Rollen, eine Aufzeichnung oder Kurzanleitung zum Nachschlagen, und ein Termin vier Wochen nach dem Livegang, wenn die echten Fragen aufkommen.

Barrierefreiheit gehört in die Ausschreibung, nicht in die Nachbesserung

Für öffentliche Stellen gilt die Barrierefreie-Informationstechnik-Verordnung, für viele Unternehmen seit dem 28. Juni 2025 das Barrierefreiheitsstärkungsgesetz. Beide verweisen im Kern auf denselben technischen Standard, die europäische Norm EN 301 549 und damit auf die Web Content Accessibility Guidelines des W3C.

Für die Agenturauswahl bedeutet das drei konkrete Anforderungen:

Barrierefreiheit im Angebot, nicht als Zusatzposten. Nachträglich barrierefrei zu machen kostet ein Vielfaches. Wenn eine Agentur das als optionales Modul anbietet, hat sie es im Grundangebot bewusst weggelassen.

Nachweis, nicht Behauptung. Frag, wie geprüft wird: automatisiert, manuell, mit Screenreader, durch externe Prüfstelle. Automatische Werkzeuge finden etwa ein Drittel der Probleme.

Auch die Redaktionsoberfläche. Wenn ein Redakteur mit Sehbehinderung die Website pflegen soll, muss das Backend bedienbar sein – nicht nur die öffentliche Seite. Das wird fast immer vergessen.

Wartung, Betrieb und die Frage nach dem Ernstfall

Bei TYPO3 ist der Wartungsvertrag oft wichtiger als das Projektangebot. Was hineingehört:

  • Sicherheitsupdates innerhalb einer definierten Frist nach Veröffentlichung. TYPO3 veröffentlicht Sicherheitsmeldungen laufend über einen eigenen Kanal, zu Kern und Erweiterungen. Eine gute Agentur abonniert den und nennt dir eine Frist in Stunden oder Tagen, nicht "kurzfristig".
  • Staging-Umgebung. Updates werden auf einer Kopie getestet, bevor sie live gehen. Ohne Staging ist jedes Update ein Experiment am Produktivsystem.
  • Backups mit definierter Aufbewahrung und – wichtiger – ein dokumentierter Wiederherstellungstest. Ein Backup, das nie zurückgespielt wurde, ist eine Vermutung.
  • Reaktionszeiten nach Schweregrad. Website nicht erreichbar ist etwas anderes als ein schiefes Bild auf einer Unterseite.
  • Regelung für Major-Upgrades. Der Sprung von v14 auf v15 ist Projektarbeit, keine Wartung. Steht im Vertrag, wie das kalkuliert wird, oder verhandelst du in drei Jahren neu?

Vergabe: was bei öffentlichen Auftraggebern dazukommt

Wer öffentlich ausschreibt, hat zusätzliche Bindungen. Drei Punkte, die in TYPO3-Ausschreibungen regelmäßig Probleme machen:

Leistungsbeschreibung ohne Produktnennung. TYPO3 darf in der Regel nur dann vorgegeben werden, wenn es sachlich begründbar ist – etwa weil vorhandene Systeme, Schulungsstand oder Landesrahmenverträge daran hängen. Die Begründung gehört in die Akte, nicht in eine Fußnote.

Bewertung nicht allein über den Preis. Wenn der Preis 70 Prozent der Wertung ausmacht, gewinnt das knappste Angebot – und die Nachträge kommen später. Eine Gewichtung, die Konzept, Referenzen und Wartung angemessen berücksichtigt, ist kein Wohlwollen gegenüber Agenturen, sondern Schutz vor Nachtragsverhandlungen.

Rechte am Quellcode und an Erweiterungen. TYPO3 selbst steht unter freier Lizenz. Individuell entwickelte Erweiterungen tun das nicht automatisch. Regele schriftlich, dass du sie weiterverwenden und weiterentwickeln lassen darfst – auch von einer anderen Agentur.

Die Entscheidung in einem Satz

Wähle die Agentur, die dir am ehrlichsten sagt, was an deinem Vorhaben aufwendig wird. Wer im ersten Gespräch nur bestätigt, hat entweder nicht zugehört oder rechnet damit, den Rest über Nachträge zu holen.

Quellen

Alle Angaben zuletzt geprüft am 8. September 2026.

Die Aussagen zu Vergabepraxis, Schulungsumfang und Wartungsverträgen sind Erfahrungswerte, keine erhobenen Daten. Die taggenauen Supportfristen für v13 und v14 stehen zum Redaktionsschluss nicht in der offiziellen Roadmap und sind vor Vertragsabschluss dort zu prüfen.